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Fallender Strompreis - haben wir die Talsohle erreicht?

Der Strompreis Phelix Future EEX Cal 16 liegt heute bei weniger als 30 EUR/MWh und verlor in einem Jahr über 10%. Seit Mitte 2011 hat sich der Strompreis gar halbiert. Haben wir die Talsohle erreicht?

Betrachten wir die Stromgestehungskosten des deutschen Kraftwerksparks, so liegen diese bei rund 4,5 bis 6 ct/kWh. Die Zahl ist nur ein ungefährer Zusammenzug aus verschiedenen Quellen und Studien. Ein Vergleich der Stromgestehungskosten mit dem Phelix Future würde den Schluss zulassen, dass die Talsohle des Strompreises längst erreicht wurde, sind doch die Stromgestehungs­kosten um rund 50% höher als der Strompreis an der Börse notiert. Ein Blick auf den Cal 17 und Cal 18 zeigen keine Veränderung nach oben an. Was sind Gründe, dass der Preis nicht steigt?

Ein gewichtiger Grund sind Überkapazitäten. In einem funktionierenden Markt reagieren Produzenten auf Überkapazitäten mit einer Verknappung des Angebots, was im Strommarkt einem Abschalten nicht rentabler Kraftwerke gleichkommen würde. In Deutschland wird das Verfahren zum Abschalten unwirtschaftlicher Kraftwerke jedoch staatlich reguliert. Jede Stilllegung muss von der Bundesnetzagentur bewilligt werden, was sie aus Gründen der Netzstabilität nicht immer tut. Gleichzeitig erleben wir sogar einen Zubau von Kapazitäten im erneuerbaren wie auch konventio­nellen Bereich. Gerade wurde in Mannheim das grösste Steinkohle­kraftwerk Deutschlands in Betrieb genommen. Deutschland plant einen Ausbau allein der Offshore Windkraft von 6.5 GW bis 2020. Beides erhöht die im Markt bereits signalisierten Überkapazitäten, was wohl zu noch tieferen Strompreis führen wird.

Dazu kommen eine sich nach wie vor langsam entwickelnde Wirtschaft, weiterhin tiefe Rohstoffpreise, v.a. bedingt durch die Schiefergas und -öl Förderung und die staatlichen Unterstützungen im Bereich der Erneuerbaren. Eine Tendenz zur Umkehr ist bei keinem der genannten Themen erkennbar.

Die Talsohle im Strompreis scheint wohl noch nicht erreicht und wir werden noch tiefere Strompreise erleben. Dies bedeutet für Produzenten weiterhin Verluste und Abschreibungen, wie wir sie auch in der Schweiz bei den grossen EVUs in den letzten Jahren sehen. Ein Überleben in diesem Marktumfeld wird immer schwieriger, v.a. wenn Eigenproduktion bisher die Cashcow des Unternehmens war.